6./7. April 2011: Dow, Bayer, BASF und Co.

So langsam wird es hügelig. Ronda, mein Etappenziel liegt immerhin schon über 700 Meter hoch. Irgendwie genieße ich die Fahrt heute ohne große „Erlebnisse“ oder Begegnungen. Kurz vor Ronda halte ich Ausschau nach einem geeigneten Zeltplatz – jedoch ist hier alles eingezäunt. Ich sehe einen Wegweiser zu einem Zeltplatz und fahre zur Rezeption. Es ist nicht so viel los um diese Zeit, die Frau an der Kasse spricht hervorragend deutsch und ich zahle 10,50 Euro für eine Nacht auf einem Zeltplatz.

Dafür kosten die Duschen nix extra. Aber das Aufladen eines Telefons. Und das Wäschewaschen ist in den Waschbecken auch verboten. Weil es kostenpflichtige Waschmaschinen gibt. Echt grell. Ich wasche meine Radklamotten dennoch im Waschbecken – dafür eine Waschmaschine anwerfen wäre völliger Quatsch.

Ich lerne Guido kennen, einen netten Schweizer, der sein Zelt bereits aufgebaut hat, als ich komme. Wir quatschen über unsere bisherigen Touren, Beruf, Hobbies und Landsleute. Er ist Triathlet wie ich und reist noch nicht so lange mit seinem zum Reiserad umgebauten BMC-MTB durch die Gegend.

Nach einem guten Abendessen und einer ruhigen Nacht fahren wir noch gemeinsam nach Ronda, trinken einen Kaffee, tauschen unsere Adressen aus und fahren unsere eigenen Wege. Schön – ich habe eine Einladung nach Rapperswil zum 70.3-Triathlon und Guido eine nach Hannover zur Limmer-Halbdistanz.

Ronda selbst ist spektakulär, aber ziemlich überlaufen.

Hinter Ronda wird’s dann echt klasse: Die Serranía de Ronda, Sierra de Alcaparain und die Sierra de Chimenea bis Antequera zeigen „Spain at it’s best“. Ich fahre mit offenen Augen und Mund andächtig durch die Landschaft.

Nur diese Schilder am Rand weisen darauf hin, dass hier hin und wieder scharf geschossen wird. „Coto de casa“ heißt „Jagdrevier“ – hier sind die Reviere meist „privado“ oder „deportivo“. Töten als Sport – pervers.

Der Wind macht Druck und pustet mal wieder von vorn. Puerto del Viento heißt ein Pass hier. Nomen est Omen. Ich weiß jetzt warum.

Eine Vater-Sohn-Statue auf einem Felsen erinnert mich daran, dass Spanien ja noch eine junge Demokratie und die Franco-Zeit noch nicht allzu lange vorbei ist.

Bei Ardales schlage ich mein Zelt in einem Olivenhain auf. Eine kleine verlassene Schutzhütte steht da. Neben ihr liegen dutzende von leeren Tüten mit Aufschriften wie „Dow Chemical“, „Bayer“, „BASF“, etc. Naiv war ich zwar nie, aber enttäuscht bin ich jetzt dennoch. Warum um alles in der Welt machen wir alles um uns herum so kaputt? Ist es Nicht-Wissen dieser Bauern? Ist es Profitgier? Ist es überlebensnotwendig, die Bäume und Früchte mit diesem Gift einzusprühen?

Ich entscheide mich, dennoch hier zu übernachten und ab sofort nur noch in Notfällen auf Bio-Produkte zu verzichten.

Ein Gedanke zu „6./7. April 2011: Dow, Bayer, BASF und Co.

  1. Sebastian

    Danke, Jörg, für diese Reisebericht-Folge. Ich schaue immer mal wieder herein, ob es was Neues gibt. Lese gerne, was Du schreibst.
    Gruß Sebastian

    Antwort

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