30. Dezember 2012 bis 6. Januar 2013 – Schneewanderungen im Berner Oberland

Über Silvester/Neujahr bin ich in der Schweiz zum Schneewandern. Nix Spektakuläres, einfach nur Wandern. Wunderschön. Auf dem Weg zum Faulhorn gelangen wir in Nebel. Alles weiß. Alles ruhig.

Die Schweizer sind ein sauberes Volk. Asterix hat Recht. Am Neujahr-Morgen um 10 Uhr ist am Bahnhof Wilderswil nicht ein einziger explodierter Silvester-Böller mehr zu sehen. Als hätte Silvester nicht statt gefunden.

Ich habe meine neue Kamera dabei und fotografiere ganz neu. Die Leica M9 mit dem 35er Summicron stellt mich vor neue Herausforderungen. Ich muss mich an die Messsucher-Fotografie gewöhnen, auf nahezu alle Automatiken verzichten. Allein den Fokus zu setzen, erfordert mit einer Blende 2.0 schon absolut genaues Hinsehen. Mit dem Summilux, das ich nicht mithabe, wird es bei Blende 1.4 noch schwieriger. Sitzt der Fokus nicht, wird ein Bereich des Bildes scharf, den ich unscharf haben will und der Bereich, den ich scharf haben will, wird unscharf. Bei Porträts mit dem Summilux kann ich die Augen scharf stellen bei gleichzeitiger Unschärfe von Nase und Ohren.

Mit dem Summilux im Nahbereich fotografieren ist wie Wichtiges mit einem Skalpel herausschneiden. Ich wundere mich, dass nicht die Schweizer eine solche Präzisionskamera entwickelt haben sondern die Deutschen.

Der Sucher zeigt ein gleichbleibendes Bild, das den Ausschnitt eines 28er Objektivs abbildet. Mit dem 35er fotografiere ich also nicht alles, was ich im Sucher sehe. Andererseits kann ich durch den Sucher auch mehr sehen, als ich nachher fotografiere und so den gestalterischen Spielraum vergrößern.

Der Sucher zeigt auch nur die notwendigsten Informationen zur Belichtung. Da ich manuell belichte, sehe ich lediglich einen Pfeil nach rechts, wenn es zu dunkel ist und einen Pfeil nach links, wenn es zu hell ist. Allerdings nicht auf einen Fokuspunkt hin sondern das ganze Bild gewogen. Also ignoriere ich zumeist diese Information auch noch.

Das Schwierigste beim Fotografieren mit der Leica ist jedoch das Abschätzen der Schärfentiefe. Prismensucher von Spiegelreflexkameras oder Digitalsucher von Kompakten können das schon beim Schauen durch das Okular darstellen. Der Messsucher nicht. Da werde ich wohl noch viel Lehrgeld zahlen, zuhause am Rechner.

Kontemplation im Nebel: Die einprägsamsten Momente des Fotografierens finde ich in der Weiße – Nebel um mich herum, Schnee unter mir. Die dunklen Felsen sind nicht mehr zu sehen. Alles weiß. Suchen nach kleinsten Motiven, nach Nuancen von Änderungen in den Strukturen des Schnees. In solchen Momenten ist es mir eigentlich völlig egal, ob das Bild gelungen ist oder nicht. Es ist der Moment, der Augenblick, der im Gedächtnis bleibt.

Der Augenblick des Fotografierens hat sich für mich geändert. Das was für andere enervierend sein kann, ist für mich die Übernahme der Verantwortung: Ich muss mir über jede einzelne Einstellung der Kamera im Klaren sein! Die meisten Bilder dieser Tour habe ich verworfen, weil ich irgendeinen Parameter nicht bedacht habe. Aber ich werde lernen, wie sich jede Parameter-Kombination auf das Bildergebnis auswirkt. Und das dann hoffentlich gestalterisch einsetzen können. Viele von den Bildern, die ich hier zeige, sind „zufällig“ gut, wenn sie gut sind. Das will ich noch ändern.

Ein Gedanke zu „30. Dezember 2012 bis 6. Januar 2013 – Schneewanderungen im Berner Oberland

  1. Stefan

    Das sind mal wieder ein paar tolle Bilder dabei!!! Da hat sich die Anschaffung der neuen Kamera ja wirklich gelohnt. Ich wünsche Dir noch sehr viel Spaß damit und freue mich schon auf viele weitere schöne Bilder.

    Antwort

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