25. – 28. März 2013 – Berlin, Länderfinanzausgleichsnettoempfänger

Berlin – was ist das? Eine Stadt? Eine Baustelle? Die deutsche Hauptstadt? Ein Milliardengrab? Einfach nur Länderfinanzausgleichsnettoempfänger?

Kalt! Berlin ist kalt. Im März 2013 klimatisch und auch sonst. Mich empfängt eine Stadt, die genervt ist. Von Skandalen, von Touristen, von Baustellen. Ich sehe keine Ecke in Berlin, von der ich sagen könnte, dass ich sie schön finde.

Das Wort „Berlin“ – so steht es bei Wikipedia – leitet sich aus dem Slawischen ab und steht für „Sumpf“. Das trifft meine Einstellung zur deutschen Hauptstadt ziemlich genau. Von sich selbst sagen die Berliner, dass sie alles können. Bis auf S-Bahn, Fußball und Flughafen. Es gibt Entwicklungsstadien, da wirkt selbst die Eigenironie makaber und fehl am Platz. Vor allem, wenn fremdes Geld in Prestigeprojekten versenkt wird, das für dringende soziale oder kulturelle Anliegen besser verwendet werden könnte.

Das erste, was mich erschreckt, ist, dass das Tacheles geschlossen wurde. Von einem Investor, dem Geld wichtiger ist als Kunst. Dann wird momentan die East-Side-Gallery zerstört. Von einem Investor, dem Geld wichtiger ist als Kunst. Mit Genehmigung des Senats, dem Geld offensichtlich ebenfalls wichtiger ist als Kunst und Kultur. Das ist die längste Open-Air-Gallerie der Welt! Und die darf mal eben so zerstört werden, um Luxus-Buden zu bauen.

Die Gentrifizierung ist in Stadtteilen wie Prenzlauer Berg, Friedrichshain oder Kreuzberg auf dem Vormarsch. Die Mieten steigen, die Alteingesessenen, Vorboten und Pioniere müssen der profitorientierten Wohnungswirtschaft weichen. Ich weiß nicht, was ich davon halten soll. Es ist ein allerorten wahrnehmbares Phänomen und seinerseits widerum Vorbote einer sozialen Ungleichheitsentwicklung, deren Ende ich nicht prognostizieren mag.

Für eine vernünftige Vermischung von Yuppie-Wohnungen mit sozialem Wohnungsbau fehlt den Kommunen – und insbesondere Berlin – das Geld. Das geht für die Prestigeprojekte drauf. Angefeuert von einer mächtigen Lobby. Berlin hatte Ende letzten Jahres 61 Milliarden Euro Schulden!

Dazu kommen die Menschen. Die Touristen. Die Ausländer. Die Berliner. Letztere sind so unfreundlich, so egoman, dass das Wort „Bitte“ aus dem Mund eines Berliners allein schon ein Paradoxon ist.

Berlin kommt nicht gut weg, dieses mal. Ich weiß nicht woran das liegt. Alexanderturm? Drei Stunden Wartezeit, sechzig Euro für zwei Erwachsene und drei Kinder. Reichstag? Nächste freie Führung im Juni. Brandenburger Tor unter den Linden? Baustelle bis 2019.

Eins geht gut in Berlin: Radläden mit tollen Fixies gucken und geniale Bio-Currywurst mit Pommes essen. Standert und Curry-Mitte sind eine Empfehlung. Beides in Prenzelberg. Danach einen Kaffee im Bonanza. Das gibt’s wirklich nur in Berlin. Leider? Oder zum Glück?

Ich werde irgendwann wieder hinfahren.

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