Montag, 26.1.2015: Von Valladolid über Coba und einem Sprung ins Nichts nach Tulum

Obwohl wir zu sechst in einem Zimmer wohnen, ist die Nacht ruhig und der Schlaf prima.

Um halbsieben stehe ich auf, um sieben gibt’s Frühstück. Und das ist perfekt für einen langen Fahrradtag geeignet. Um acht sitze ich dann auf dem Fahrrad.

Das Wetter ist perfekt und erstmals spüre ich dem eigentlichen Sinn meiner Reise nach. Landschaft, Leute, mein eigenes Ich. Kurz nach Valladolid geht es schon auf eine kleine Landstraße, die dann irgendwann in den Dschungel führt. Ich drehe um und merke relativ schnell, welchen Abzweig ich verpasst habe.

Die Pueblos sind klein hier, zur Siesta-Zeit sind nur ein paar streunende Dorfhunde und die Kinder, die von der Schule kommen, auf den Beinen. Alle anderen sitzen am Rand oder warten in ihren Häusern, dass die Mittagssonne ihren Kraftzenit hinter sich lässt.

Von einem Campesino, der gerade vom Feld kommt, kaufe ich ein paar Mandarinen. Wir kommen ins Gespräch. Er hat zehn Jahre in San Francisco gearbeitet, dann aber seiner Sehnsucht nach seiner Familie hier in Yucatan nicht mehr widerstehen wollen. Mit dem Geld aus den USA haben er und seine Frau sich hier eine kleine Farm aufgebaut. Glück, Gesundheit und Familie sind wichtiger als Geld und USA.

Überhaupt sind die Gringos aus dem Norden hier nicht überall gern gelitten. Wir lachen beide über Menschen, die ihre Hamburger lieben können (“I’m loving it!”).

In Coba, auf halber Strecke zwischen Valladolid und Tulum, entscheide ich mich, die dortigen Cenotes zu besuchen. Zunächst staune ich über den hohen Eintrittspreis. Als ich die Kavernen allerdings sehe, bin ich begeistert. Sie sind komplett unterirdisch, kein Tageslicht gelangt in sie. In der ersten bin ich allein, in der zweiten zieht eine tschechische Triathletin ein paar Trainingsbahnen. In der ersten kann ich noch widerstehen, die zweite allerdings bringt mich dazu, mein Radtrikot auszuziehen, mich zu duschen und mit der Radhose ins kalte Wasser zu springen.

Es gibt zwei Plattformen, von denen aus man ins Wasser springen kann: die erste ist circa 5 Meter hoch und die zweite knapp 10 Meter. Die komplette Höhle ist relativ spärlich beleuchtet, so dass man auf keinen Fall auf den Grund der Cenote sehen kann. Ich klettere gleich auf die 10 Meter-Plattform und schaue nach unten, schaue ins Nichts. Ich weiß, dass ich nicht lange nachdenken darf und gehe dann den einen, entscheidenden Schritt nach vorne. Und springe ins Nichts. Rein rechnerisch bin ich nur rund eineinhalb Sekunden unterwegs. In dieser Zeit allerdings passiert ganz viel in mir und mit mir. Ich merke, wie sich mein Bauch verkrampft, wie mein Magen ganz leicht wird. Die Zeit vergeht so langsam, dass ich beim Eintauchen trotz einer (wieder rechnerischen) Geschwindigkeit von rund 50 km/h merke, wie das Wasser an mir hoch gleitet. Nach dem Wiederauftauchen stoße ich einen Jubelschrei und auch Erleichterungsschrei aus.

Draußen gönne ich mir eine Kokosnuss. Der Junge, der sie mir verkauft, bietet mir Chili und frischen Limonensaft an, was ich auf die Kokosnussstückchen drauf tue. Meine Skepsis weicht einem interessanten Potpourri von Geschmäckern auf meiner Zunge.

Kurz nach Coba biege ich dann auf die Hauptstraße ab, die von Cancun nach Tulum führt. Die restlichen 50 km habe ich glücklicherweise Rückenwind, der mich in knapp 2 Stunden nach Tulum schiebt.

Am Ende meines ersten Radtages stehen 135 km auf dem Tacho. Ich bin zwar fertig, aber voller Eindrücke. Morgen fahre ich wieder mal mit dem Bus nach Chetumal an der mexikanischen Grenze zu Belize. Was dann kommt , weiß ich noch nicht. Mañana, mañana eben.

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