Freitag und Samstag, 30./31. Januar 2015: Von San Ignacio/Belize nach Flores/Guatemala und ein Ausflug nach Tikal

In San Ignacio an der Grenze zwischen Belize und Guatemala schlafe ich ungestört, tief und lange. Ich überlege, allein wegen des ungestörten Schlafes noch eine Nacht hier zu verbringen. Aber ich will weiter, so viel bietet der Ort und seine Umgebung auch wieder nicht. Meine Sachen, die ich gestern Abend wusch, sind zwar noch etwas feucht, aber das macht mir nichts aus. Sie werden hinten aufs Gepäck gezurrt und können dann im Fahrtwind und in der Sonne trocknen.

Es ist ziemlich hügelig hier. Gleich die ersten zwei, drei Kilometer fordern meine Beine heraus. Nach weiteren zehn hügeligen Kilometern gelange ich an die Grenze zur Guatemala. Ich hörte, dass die Ausreise aus Belize auch wieder ziemlich teuer werden würde, genauso wie in Mexiko. Aber der Zollbeamte, der mich kontrolliert, ist mehr an meinem Fahrrad interessiert, als an den Formalitäten. Die Einreise in das Nachbarland verläuft ähnlich. Die ganze Prozedur dauert nur rund fünf Minuten, dann bin ich im nächsten Etappen-Land auf meiner Reise durch Zentralamerika.

Während ich in Belize immer wieder irritiert war, welche Sprache denn nun gesprochen wird, ist hier in Guatemala alles recht einfach: ¡se hablan español!

Nachdem ich an der Grenze meine letzten Belize Dollars einer Verkäuferin von Tacos geschenkt habe, steuere ich nun den nächsten Geldautomaten an, um mir Quetzales zu besorgen. Bis eben musste ich noch mit eins zu drei rechnen, jetzt wird es etwas einfacher: eins zu zehn.

Auf der Straße denke ich darüber nach, was denn das Besondere am Radreisen ist und ich nicht auch busreisen könnte.

In den Hostels und Bussen lerne ich ja auch immer wieder nette Leute kennen. Das ist dann schon anders als beim reinen Radeln.

Wenn ich mit dem Fahrrad unterwegs bin, habe ich tagsüber jedoch Gespräche mit Stand-Inhabern, anderen Radlern, Menschen die mir einfach nur begegnen oder, wie heute, sogar mit Kindern, die mir von ihrem Schulunterricht erzählen. Diese Gespräche sind es, die mich nicht nur das Land sondern eben auch die Leute kennen lernen lassen. Und genau das will ich ja auch.

An den Tagen, an denen ich mit dem Bus unterwegs bin, bin ich doch Teil des Tourismus-Stroms. An meinen Rad-Tagen habe ich nicht dieses Gefühl. Die Busse sind voll mit Touristen und wenn dann mal Einheimische mitfahren, dann sitzen die Grüppchen jeweils voneinander getrennt.

Auch, wenn jeder für sich allein reist, reisen die Touris als Gruppe und lernen Länder nicht so kennen, wie diejenigen, die mit den Menschen vor Ort reden.

Ich jedenfalls habe meinen spannendsten Tage auf dem Fahrrad.

Außerdem liebe ich es, an der Straße zu essen und zu trinken. Das habe ich mit Lennart in Kuba kultiviert. Heute trinke ich einen Schokodrink aus echten Kakaobohnen, gekauft in einem Comedor. Das sind die Straßenküchen, die es hier allerorten gibt. Der Drink ist klasse. Eigentlich wollte ich eine Kola, aber sowas hat die Verkäuferin nicht. Zum Glück. Die Köchin mischt alles Mögliche mit Eis und tut das in einen Mixer. Weiß nicht, was da alles drin ist, ist auch egal. Gut schmeckt’s.

Auf dem weiteren Weg riecht es intensiv nach Amber. Ich sehe an der Straße rechts und links Felder mit Amber-Bäumen. Der Geruch streichelt die Sinneszellen meiner Nase der Art, wie ist ein Parfüm nie könnte.

Allerdings kommt mir hinter der nächsten Kurve ein ganz anderer Geruch in die Nase: eine Kuh liegt verendet am Straßenrand, mehr als ein Dutzend Geier streiten sich um die besten Plätze auf ihr. Als die Vögel mich wahrnehmen, fliegen sie ganz aufgeregt auf die umstehenden Bäume und warten, dass ich wieder wegfahre. Den Gefallen tue ich Ihnen gerne. Der Geruch ist fast unerträglich.

Um halb fünf erreiche ich Flores, eine Stadt auf einer Insel im Lago Petén. Mein heutiges Etappenziel erreiche ich nach 105 Kilometern. Ich bin ziemlich fertig ich von der Hitze und der Schwüle.

Im Hostel treffe ich Stan, den Iren, den ich schon in Tulum in der Busstation traf. Wir verabreden uns zum gemeinsamen Abendessen. Dabei beschließen wir, ebenfalls gemeinsam nach Tikal zu fahren und kaufen uns die Tickets in einer Reiseagentur.

Tikal ist faszinierend. Wir erleben gemeinsam einen angenehmen Tag in dieser alten Maya-Stadt, in der während ihrer Blüte rund 150.000 Menschen lebten.

Die Moskitos stechen, die Affen brüllen, die Schwüle drückt, die Sonne brennt – Willkommen im Regenwald. Über die Geschichte der Inka, Atzteken und Maya ist viel geschrieben und erzählt und nachzulesen. Hier wird sie lebendig, hier, wo die Maya vor über 1000 Jahren lebten.

Zurück in Flores wartet ein leckeres Abendessen in einer kleinen Bar direkt am See.

Ich entscheide mich für eine Weiterfahrt nach Rio Dulce, das heißt, dass ich Semuc Champey auslassen werde.

Aber wie immer: Mañana, mañana.

3 Gedanken zu „Freitag und Samstag, 30./31. Januar 2015: Von San Ignacio/Belize nach Flores/Guatemala und ein Ausflug nach Tikal

  1. adwenger

    Hola Jorge:
    Muchas gracias por tus descripciones impresionantes de tu viaje. Te seguimos con el dedo en la mapa y te envidiamos un poco. Pero asi es la vida!
    !Que sigas bien!
    Alex

    Antwort
  2. gonzalez_neza@yahoo.com.mx

    Hola Sr. Jorge:

    Bien por tu viaje por centroamérica!

    Leo tu diario con atención y curiosidad para conocer las impresiones que tú vives, así como la perspectiva con la que  tú observas los lugares que visitas.

    Saludos desde Hannover y mucha suerte en las próximas etapas de tu viaje.

    Jaime

    Antwort
    1. joeyyy Autor

      gracias jaime, es que ahora necessito la lengua española por la primera vez realmente. hasta ahora pude hablar ingles con los mexicanos o belizanos. pero aqui no se hablan ingles.

      muchos saludos desde flores 🙂 y conta a los otros.

      jorge

      Antwort

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