Donnerstag, 26.2.2015: Von Chilamate zu Luís nach Westfalia am Atlantik

Am Anfang genussradel ich durch die Gegend, was aber nach rund 20 Kilometern wieder in Anstrengung mündet. Mein Ziel ist Puerto Limon und dann die Küstenstraße runter nach Panama. Doch um nach Puerto Limon zu kommen, muss ich rund 100 Kilometer über eine der Hauptverbindungsstraßen zwischen San Jose und dem wichtigsten Handelshafen des Landes fahren. Und da ist die Hölle los. Da werden von den Tico-Lastwagenfahrern keine Gefangenen gemacht. Ein Einheimischer, mit dem ich in La Fortuna über meine Reiseroute sprach, sagte mir, dass auf der Strecke regelmäßig Radfahrer überfahren würden, da die Carretera eng und uneinsehbar sei.

Mir bricht kein Zacken aus der Krone, wenn ich also nochmal 100 Kilometer mit einem Bus fahre. Als ich mittags auf die Carretera 32 treffe, befindet sich genau an der Kreuzung eine größere Busstation. Der nächste Bus nach Puerto Limon fährt in einer halben Stunde. Das ist ein wirklich großer Bus. Mein Fahrrad kann ich aufrecht in den Gepäckraum stellen und ich selbst nehme in einem Luxussessel platz. Aus meinen Erfahrungen in Mexico habe ich gelernt und nehme meine Fleecejacke mit ins Businnere. Die Klimaanlage läuft auf Hochtouren und kühlt die Luft soweit runter, dass selbst ich anfange zu frösteln.

Aus dem Fenster des Busses schauend bin ich froh, die Entscheidung so getroffen zu haben. Die Straße ist voller Laster, die sich sogar überholen, ohne dass die Fahrer wirklich sehen können, ob Gegenverkehr kommt oder nicht. Was geht bloß in den Köpfen dieser Fahrer vor?

Knapp zwei Stunden später sitze ich in Puerto Limon wieder auf dem Rad. Diese Stadt gilt als „Hotspot“ für Diebe und Räuber und wirkt nicht gerade einladend auf mich. Ich sehe zu, dass ich schnell zum Meer und dann auf die Straße Richtung Süden komme.

Der Atlantik ist hier weniger spektakulär wie der Pazifik. Karibik eben. Es läuft jetzt. Ich meine, es rollt. Gegen fünf halte ich an einem Restaurant an und kaufe mir eine kalte Cola. Es ist idyllisch und ich frage den Besitzer des Restaurants, ob ich hier zelten dürfe. Claro que sí!

Bei einem leckeren Fisch und einer kalten Cerveza Imperial kommen wir später ins Gespräch.

Ach, wie schön ist Panama. Dabei bin ich ja noch in Costa Rica. Vielleicht will dieses Land es sich mit mir ja doch noch versüßen.

Das Gespräch mit Luís dreht sich um Familie und Kinder. Luís ist knappe 60, geschieden und hat insgesamt sechs Kinder, von denen die meisten schon wieder verheiratet sind. Er empfindet sein Leben ohne Frau wesentlich einfacher als mit Frau. Die Tatsache, dass er Kinder hat, lässt ihn in der Art glücklich sein, die nur eine eigene Familie ermöglicht.

Ich kann das so gut nachempfinden. Seit ich geschieden bin, habe ich ein wesentlich intensiveres Verhältnis zu meinen Kindern und empfinde jetzt mehr familiäre Bindung zu ihnen als in der Zeit meiner Ehe. Auch meine Kinder sind nun – wie die von Luís – erwachsen und werden irgendwann vielleicht mal selbst Kinder bekommen. Insofern kann ich mit zeitlich fernem Abstand und dadurch einer relativ gelassenen emotionalen Stimmung zurückblicken und das so für mich werten.

Zelten am Meer ist wunderbar. Ich liebe das Rauschen der Wellen, wenn ich dabei einschlafen kann. Es hat etwas archaisches, etwas berührend wohliges, etwas Geborgenheit gebendes. Ich bin glücklich.

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