26.9.2015: Prolog, Zug nach Aachen, Männergruppe mit Bier, Lüttich und unerwartete Kälte

Prolog:

Im Herbst 2015 unternehme ich eine Herbstreise mit dem Fahrrad nach Madrid. Lennart studiert dort, mein Besuch bei ihm ist der eigentliche Grund meiner Reise. Also ist es ein Familienbesuch.

Ich überlege, von Hannover direkt nach Madrid zu fahren – dann verpasse ich aber viele Sehenswürdigkeiten, die in meinen Durchgangsländern liegen. Also plane ich mit Bus und Bahn.

Paris soll auf der Strecke liegen, die Loire mit ihren Schlössern, Bordeaux mit den Weingütern, der Atlantik, die Pyreneen und dann ein Stückweit der Pilgerweg des Jakob. Will sehen, was es mit dem Pilgern so auf sich hat. Ob man sich da wirklich finden kann.

Auf jeden Fall will ich dem Denken einen großen Raum geben in diesen drei Wochen. Dem Reflektieren und dem Zu-Ende-Denken.

Wenn ich Bus und Bahn in meine Planung einschließe, brauche ich nicht in Hannover losfahren. Deutschland kenne ich nun gut genug, aber dennoch will ich von Deutschland aus losfahren. Also kaufe ich ein Zugticket nach Aachen.

Reise:

Ich starte um halb zwei in Aachen. Es ist eine Herbstreise durch Westeuropa, ich bin gespannt, was auf mich zukommt. Gestern erst habe ich mich entschieden. Habe meinen Flug nach Faro storniert, um von Deutschland nach Madrid zu fahren. Oder nach Santiago de Compostela, ich weiß es noch nicht. Lennart studiert seit dem Sommer in Madrid und ich will ihn besuchen.

Vor vier Wochen buchte ich einen Flug nach Faro, um durch Portugal über Santiago nach Madrid zu fahren. Drei Wochen waren geplant. Nun sagt die Wettervorhersage für die nächsten zehn Tage wunderbar ruhiges Herbstwetter für Belgien und Frankreich an mit Temperaturen von bis über zwanzig Grad. Na dann fahre ich doch von Deutschland nach Madrid. Das ist doch mal ein Plan. Deutschland selber kenne ich nun schon gut genug, also fahre ich mit dem Zug bis Aachen, um dann durch Belgien über Paris an die Loire zu fahren. Dann zum Atlantik, den dann runter bis in die Pyreneen und dann auf dem Pilgerweg erstmal bis Burgos. Dann kann ich mich entscheiden, ob ich weiter pilgern will oder links nach Madrid abbiege. Von Santiago würde ich dann mit dem Bus oder Zug nach Madrid fahren.

In den Zug nach Aachen steigt in Dortmund eine Männergruppe aus Kamen. Es sind rund zehn Jungs, alle haben große Bierdosen in der Hand, es sind wohl weder die ersten noch die letzten. Lustig ist es mit ihnen. Ich kann nicht plausibel darlegen, dass ich in Aachen aussteige und nach Madrid radeln will. Ich kann auch nicht plausibel darlegen, dass ich Bier nicht mag. Und auch keine 11-Tage-Pauschal-All-Inclusive-Schiffsreisen ab Antalya durchs Mittelmeer. Ich ernte ernsthaftes Kopfschütteln.

In Aachen steige ich aus dem Zug und – friere. Shit, wäre ich doch mal nach Faro geflogen. Ich überlege, ob ich erstmal in einen Klamottenladen gehe und mir noch zwei bis drei Lagen Unterwäsche kaufe. Schnickschnack, dazu muss ich frieren, obwohl ich alles an habe, was in den Packtaschen drin ist. Ach ja, weil ich rund zwanzigtausend Höhenmeter kalkuliere, habe ich so wenig wie möglich eingepackt, vertraue auf das Zwiebelprinzip.

Die ersten zehn Kilometer aus Aachen raus sammel ich schon mal gleich 500 Höhenmeter, mir ist warm. Vom Turm am Dreiländereck schieße ich ein paar Fotos, dann bin ich schon in Belgien. Hier fuhr ich noch nie Rad. Nett ist es hier, gemütlich. Die Radwege sind wunderbar ausgebaut, die Häuschen erinnern mich an Holland, die Landschaft an Nordhessen.

Bald schon erreiche ich Lüttich, wo ich versuche, ein paar belgische Pommes zu essen. Fehlanzeige. Es gibt nur Döner.

Ab Lüttich ist Belgien dann Industrieland.

In irgendeiner kleinen Stadt suche ich einen Campingplatz, der in meinem Archie-Verzeichnis auf dem Garmin eingezeichnet ist. Ich finde nix, merke dann aber, dass der Platz schon geschlossen ist und daher keine Schilder mehr irgendwo rumstehen. Na, das ist mir ja reichlich egal, ich stelle mein Zelt auf dem geschlossenen Zeltplatz auf, die Wasserhähne an den Wegen funktionieren noch und so kann ich mich sogar duschen. Aber kalt ist das.

Ich habe heute 85 Kilometer geschafft, mit rund 700 Höhenmetern, in vier Stunden. So kann’s weitergehen.

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