Produktfoto von der Leica-Seite

Foto-Ausrüstung

„Man muss sein Leben verantworten!“

Das hat Albert Camus mal treffend zusammengefasst. Und deshalb bin ich jetzt bei Leica gelandet.

Na ja, ich gebe zu, dass das schon ein gewagtes Argument ist.

Vielleicht erläutert folgende Kette den Zusammenhang:

Irgendwann mit zwanzig oder so (ich bin jetzt fünfzig) kaufte ich mit bescheidenen Mitteln eine Mamiya Kleinbild-Spiegelreflex. Fuhr mit der damals Liebsten in einem /8er 220 Diesel nach Spanien und fotografierte Liebste und Daimler auf einer Klippe in den Pyrenäen. Das Foto gefiel dem gleichnamigen Magazin so gut, dass ich einen Preis gewann.

Ich müsse mir jetzt eine bessere Kamera kaufen, sagten meine Freude damals. Wie denn als Wehrpflichtiger? fragte ich. Ich brauche doch Auto und Benzin, um regelmäßig zur Liebsten zu kommen. Meine Verantwortung!

Ich schoss Film über Film und freute mich über die Ergebnisse.

Später dann kam eine neue Liebste, neuer Daimler, Kinder, Haus, ich portraitierte meine Kinder. Und manchmal meine Liebste, aber das gelang nicht so gut wie bei den Kindern.

Ach, was sind die niedlich! Und so schön getroffen! sagten die Omas und Opas. Ob ich mir denn nicht mal ein Profiapparat holen wollte, fragten sie. Wie denn als angestellter Familienvater? fragte ich. Ich brauche doch Haus, Auto, Urlaub und Hof, um meine ganzen Liebsten zu versorgen. Meine Verantwortung!

Dann ging die nichtmehr Liebste mit den Kindern, ich ging allein in die weite Welt und besann mich aufs Fotografieren. Ach, bei Deinen Bildern sind wir ja mit im Urlaub – sie lassen uns so schön träumen, sagten meine Freude dann. Ob ich das denn mit einer Leica fotografieren würde, fragten sie. Wie denn als geschiedener Unterhaltsverpflichteter? fragte ich. Ich brauche den Rest meines Nettogehaltes wenigstens für ein paar Dosen Erbsensuppe aus dem Aldi und für eine gemietete Mansarde bei einer pensionierten Lehrerin, um im Winter nicht ganz so zu frieren. Meine Verantwortung!

Dann kamen die Jahre und mit den Jahren wurde die Firma Apple groß. Ich kaufte einige Aktien, weil mir deren Prinzip gut gefällt. Und nebenher entdeckte ich meine Liebe zum Radfahren. Kombiniert mit dem Fotografieren ein wunderbares Hobby. Und so fuhr ich in die Welt. Alaska, Kanada, Schottland, Spanien, Marokko, Kuba waren schöne Ziele. Ich kaufte mir eine Nikon D300, verkaufte sie wieder weil sie mir zu schwer war, kaufte mir eine Olympus Pen, packte die immer wieder in die Lenkertasche meiner Räder und dachte, reiste, fotografierte, lebte.

Zurück in Deutschland schrieb ich dann – wenn etwas Zeit übrig war – einen Reiseblog. Der ist mittlerweile über hunderttausendmal besucht und immer wieder merke ich, dass die Fotos so gut gefallen.

Hey, Du musst unbedingt mal eine Leica mitnehmen – genau für Deine Art zu fotografieren ist die gemacht, sagte ein Freund. Ich schaute in mein Aktiendepot, freute mich über die Apple-Aktien und dachte erstmals über den Kauf einer Leica nach. Und ich dachte über die Verantwortung gegenüber meinen Kindern, Freunden, Blog-Besuchern nach. Und gegenüber der Leica. Denn die – so sagte mir mein Freund auch – liegt meist zuhause in irgendwelchen Schränken rum und wird gehätschelt und getätschelt. Und eigentlich ist sie zum Verreisen und Reportieren gemacht.

Dann fuhr ich im Sommer nach Wetzlar und besuchte ein M9-Seminar. Na ja, was soll ich sagen? Für Liebe auf den ersten Blick ist es mit fünfzig ein wenig spät. Der Kopf des Mathematikers fordert immer erstmal eine gewisse Logik. Aber nach den ersten Rundgängen durch die Wetzlarer Altstadt, die sicher das meistfotografierte Leica-Motiv ist, verliebte ich mich – zumindest ein bisschen – in die später im Kloster Altenburg gesehenen Ergebnisse.

Da ist meiner Kreativität ja überhaupt gar keine Grenze mehr gesetzt. Die Summiluxe sind eine echte Herausforderung, an der sich selbst ambitionierte Amateure und sehr gute Fotografen noch messen lassen müssen.

Huh, kann ich eine solche Verantwortung übernehmen? dachte ich. Als Amateur ein Profi-Werkzeug einsetzen?

Zuhause schaute ich in mein Depot und beschloss, dass mir Apple eine Leica mit 35er Cron und 50er Lux finanzieren sollte.

Somit kann ich mein Leben als reisender, denkender und lebender Fotograf verantworten, auch meinen Kindern, Freunden und der Leica gegenüber.

Selbst den Apple-Aktienkäufern, die die Leica finanzieren, gegenüber. Sie können sich die Ergebnisse bald in irgendeiner iCloud anschauen.

So. Und nun besitze ich seit gestern eine M9 mit einem 50er Lux und einem 35er Cron. Das 90er Makro folgt noch. Und komme damit meiner Verantwortung nach.

Was zu beweisen war.

Ach, ist ja eigentlich auch egal. Der Bauch hat über den Kopf gesiegt, der will es aber nicht wahr haben und hat sich eine einigermaßen intellektuell beeindruckend erscheinende Begründung ausgedacht.

So war das.

Ungefähr jedenfalls.

2 Gedanken zu „Foto-Ausrüstung

  1. joeyyy Autor

    Hallo Bernd, Danke für den anerkennenden Kommentar. in der Tat überlege ich, mir eine Leica Q zuzulegen. Das Fünfunddreißiger habe ich schon längst verkauft und das Neunziger wird nicht folgen. Ich bin ein Fünfziger-Fotograf. Aber ich wollte es mal ausprobieren, mit dem Achtundzwanziger zu fotografieren. Vielleicht auf der nächsten Reise. Gruß, Jörg.

    Antwort
  2. Bernie

    Dien Blog und die Fotos gefallen mir sehr gut. Dein Auge verlangt aber ein 28mm Weitwinkel…..muss kein Cron oder Lux sein, ein Voigtländer tut es auch (gut), die Aussage des Fotos ist wichtig, nicht die Randschärfe……. 😉
    Gruß
    Bernd

    Antwort

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s