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8. – 11. September 2013: Rhein IV – von Duisburg zur Mündung und Amsterdam

Ich bin kein 68er sondern ein 74er.

Als Gerd Müller in München das Zwei-Eins schoss und Sepp Maier in der zweiten Halbzeit mein erster Held wurde, dachte ich erstmals politisch. Der Begriff der Nation war für mich als 13-jähriger erstmals greifbar.

Alle, die bei meinem Onkel das Spiel sahen, egal wie alt sie waren, freuten sich weil sie Deutsche waren. Und ich auch. Und irgendwie hatte ich das Gefühl, dass sich alle besonders toll freuten, weil „wir“ Holland geschlagen hatten.

Holland. Bis dahin war das ein kleiner Fleck im Atlas, links oben von Deutschland. Ab 1974 war es der Inbegriff des „Erzrivalen“, was sich 1990 im Achtelfinale noch verstärkte.

Das holländische Wohnwagenklischee wurde für mich auf meiner Raddurchquerung Südfrankreichs zu einer unangenehmen Wohnwagenwirklichkeit – auf den Straßen und auf den beiden Campingplätzen, die ich besuchte. Fortan campte ich bis Italien wild, um den Holländern zu entgehen.

Ich mag Berge und Täler, Qual beim Anstieg und Tempo auf der Abfahrt. Holland ist flach.

Ich weiß, dass die deutsche Sprache in den Ohren von Franzosen oder Spaniern hart und furchtbar klingt. Die Sprache der Holländer hört sich für mich aber an, als hätten sie alle Dauerhusten.

Wenn Holländer mit Deutschen diskutieren, dauert es meist nicht lange, bis die Historie zwischen 1939 und 1945 zur Sprache kommt und einseitige Vorwürfe zu hören sind.

Kaum ein Grund also für mich, jemals nach Holland oder zu den Holländern zu fahren.

Noch nicht mal, um es nochmal zu sehen, bevor der Klimawandel die Welt in dreißig Jahren enthollandisiert. Meine Enkel können dann bei Wikipedia über das eigentümliche Land lesen, ich brauche ihnen nicht mal was darüber erzählen.

Blöd ist nur, dass der Rhein durch Holland fließt. Und dass ich mir in den Kopf gesetzt Weiterlesen