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9./10. April 2012 und Epilog – Der Sinn des Lebens in Melonen

Zum Frühstück gibt’s Melonen. Aus der Frage, ob eigentlich die Kerne im Fruchtfleisch sind oder das Fruchtfleisch um die Kerne, entwickelt sich eine Diskussion über den Sinn des Lebens.

Das Fruchtfleisch ist um die Kerne herum konstruiert, damit Menschen und andere Tiere Melonen fressen. Mit dem Kot werden die Kerne mit ausgeschieden. Unter günstigen Bedingungen fallen die Kerne auf fruchtbare Erde. Unter noch günstigeren Bedingungen entwickelt sich eine Pflanze und damit neues Leben. Ohne Fruchtfleisch würde somit keine Vermehrung stattfinden. Na gut, ohne Kerne auch nicht. Themenspeicher: Wie vermehren sich eigentlich kernlose Weintrauben?

Naja, und was hat das jetzt mit dem Sinn des Lebens zu tun?

Blendung. Alles Blendung! Alles Leben auf dieser Welt ist darauf ausgerichtet, sich zu vermehren. Und da blenden wir uns und werden geblendet, was das Zeug hält.

Warum schmecken Melonen so gut? Weil sie sich vermehren wollen. Warum riechen Rosen so gut? Weil sie sich vermehren wollen. Warum sehen Pfauenmännchen so gut aus? Weil sie sich vermehren wollen. Warum malen sich Menschenweibchen bunt an? Weil sie sich vermehren wollen. Warum streben Menschenmännchen nach Geld und Macht? Weil sie sich vermehren wollen. Alles Leben strebt nach Vermehrung. Glück? Zufriedenheit? Moral? Scheiß drauf: der Sinn des Lebens ist die eigene Vermehrung. Bis zum Kollaps.

Wo kommen wir her? Warum sind wir hier? Wo gehen wir hin? Vergessen wir es! Sobald eine attraktive Frau oder ein attraktiver Mann unseren Weg kreuzt, ist die Suche nach der Antwort auf diese Fragen beendet. Dann geht es um Vermehrung. Dann setzt das ein, was die Attraktivität zum Ziel hat: Trieb.

Es wäre spannend, nachzuweisen, dass selbst das Philosophieren über die Frage nach dem Sinn des Lebens letztlich nur dazu dient, um beim anderen Geschlecht damit anzugeben und über den Umweg „Bewunderung“ Vermehrungsbereitschaft hervorzurufen. Und dass die Leute, die sich jetzt echauffieren, in der Vermehrungsglockenkurve nach Gauß links und rechts eines Ein- bis Zwei-Sigma-Intervalls liegen. Aber darüber sollen sich Biologen und Psychologen die Köpfe zerbrechen.

Nur eins noch: Wir Menschen rühmen uns ja damit, uns unter anderem durch unsere Triebbeherrschung von den Tieren zu unterscheiden. Gut. Schön. Bestätigt aber allein das Wort „Triebbeherrschung“ nicht schon das Vorhandensein von Trieb? Und „Trieb“ ist doch allein schon von der grammatikalischen Form her passiv, etwas Passives, das uns aktiviert. Die deutsche Übersetzung des Wortes „Passiv“ lautet übrigens „Leideform“. Das heißt: Wir treiben nicht, wir werden getrieben. Wir müssen es erleiden. Das ist nicht negierbar. Höchstens beherrschbar. Es wäre dann negierbar, wenn wir den Treiber ausschalten könnten. Aber wer oder was ist das? Was müssten wir ausschalten?

In einigen Religionen und verwandten Ideologien, die Triebbeherrschung normativ aufgreifen und regeln, werden die Rezeptoren der Getriebenen vor allzu vielen Impulsen bewahrt. Zum Beispiel durch Klosterdienste oder durch Burkas oder durch Gefängnisse. Dass das aber den kruden Willen, durch Restriktionen noch phantasiebeflügelt und -befeuert, nicht immer bezwingen kann, zeigen Beispiele bis in die höchsten Würdensphären hinein. Die Frage nach dem Treiber wird dort genauso lapidar beantwortet wie die Frage nach dem Schöpfer. Hier das böse Diabolische, dort das gute Schaffende. Also können zumindest die auf dem alten Testament aufbauenden großen Religionen den Trieb nicht negieren sondern weisen ihn als „Prüfung“ für uns dem treibenden Bösen zu. Warum das gute, das perfekte Schaffende das Böse geschaffen hat, bleibt eine der ungelösten Fragen, die mir schon als Kind niemand logisch beantworten konnte.

Unterstützend für meine radikale Vermehrungs-These wirkt, dass der Sexualtrieb die einzige vitale Funktion ist, die mit zunehmendem Alter nicht verkümmert. Für die einen Fluch, für die anderen Segen. Aus Kuba nehmen wir auf jeden Fall mit, dass die Altersthese stimmt.

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Heute Morgen nehmen wir ein Taxi zur Fortaleza. Zweimal haben sich die Spanier Havanna abnehmen lassen: einmal von den Franzosen, die mit Schiffen kamen, dann tauschten die Spanier irgendwelche anderen Kolonien wieder gegen Kuba ein. Danach bauten sie eine Burg an der Hafeneinfahrt. Dann kamen die Engländer. Die Inselerfahrenen waren trickreich: Sie landeten an einer Stelle etwas östlich von Havanna und nahmen die Burg und dann die ganze Stadt als Landstreitmacht von hinten her ein. Der Rücktausch kostete Spanien wieder ein paar Ländereien oder ein paar Tonnen Geld oder ein stolzer spanischer König musste eine hässliche englische Prinzessin heiraten. Egal, jedenfalls bauten die Spanier noch eine Burg. Größer, dicker, und vor allem: auch gegen Angriffe von Land her gewappnet. Und die heißt Fortaleza. Und die besichtigen wir. Und lernen, dass „El Che“ die Fortaleza als letzter einnahm, nachdem er mit Fidel den Diktator Bautista besiegt hatte. Der wiederum nutzte die Fortaleza vorher als Gefängnis und als Exerzier- und Exekutier-Anlage. Che dann auch.

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Ich weiß nicht ob das Exekutieren von den einen durch die anderen und dann der anderen durch die einen irgendwie zu unterscheiden ist. Und damit jeweils zu rechtfertigen ist. Kein Land, keine Regierung hat das Recht, Menschen zu töten. Seine Gefängnisse und was in ihnen passiert, sind die Visitenkarten eines jeden Landes. Kuba ist in einer besonderen Situation: auf der einen Seite proklamiert es für sich, das einzige wirklich freie und unabhängige Land der Welt zu sein. Auf der anderen Seite ist es ein einziges Gefängnis. Reisefreiheit gibt es nicht. Und die USA unterhalten hier noch ein eigenes Gefängnis – zur Untermiete sozusagen. Eine schmutzige Visitenkarte für das aus seiner Sicht einzige wirklich freie und unabhängige und demokratische Land der Welt.

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In der Fortaleza hängt die längste Zigarre der Welt. In einem Plexiglas-Terrarium, das sich an der Decke einer kleinen Zigarrenfabrik entlang windet, liegen über 80 Meter gerollter Tabak. Und dem Dreher, der Legende José „Cueto“ Castelar, sehen Lennart und ich über die Schultern. Zigarren sind hier Teil der Kultur. Aber wie das in Kuba auch mit dem Rum eben so ist: Die besten und teuersten Zigarren gehen in den Export, die billigeren Varianten werden von den Kubanern geraucht. Ich würde mich allerdings nicht wundern – im Gegenteil: Eher freuen, wenn die ganz exorbitant guten Exemplare von alten Genießern in den Hinterzimmern der Fabriken geraucht werden.

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Von der Festungsmauer schauen wir nochmal runter auf die in hundert Jahren wahrscheinlich schönste Stadt der Welt: Havanna. La Habana.

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Unsere letzte Fahrt in die kubanische Hauptstadt genießen wir in einem alten amerikanischen Straßenkreuzer. Ich frage den Fahrer, wieviele Kilometer das Auto schon auf dem Buckel hat. Das weiß er nicht, hat das Auto geerbt. Es ist aber schon die dritte oder vierte Maschine unter der Haube. Mein Traum zerplatzt: Kein Acht-Liter-Chevy-Motor oder sowas sondern ein relativ moderner Mitsubishi-Diesel versieht seinen Dienst über der Vorderachse.

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Wir steigen am Hafen aus, nehmen noch einen Mojito, gehen durch La Habana Vieja an der Catedral de la Virgen María de la Concepción Inmaculada de La Habana vorbei und schlendern so langsam wieder zu Ricardo.

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Die Taxifahrt zum Flughafen thematisiert das Thema „Freiheit“ nochmal. Der Fahrer hat 20 Jahre für die kubanische Armee gedient, daheim, in Angola und im Kongo. Und nun arbeitet er seit zehn Jahren als Taxifahrer. Er ist Patriot durch und durch, aber er möchte selbst entscheiden können, ob er seine Tochter und die Enkelkinder in Miami besuchen kann oder nicht. Er gestikuliert wild während der Fahrt. Gut, dass Autos und Straßen hier nur gemächliche Geschwindigkeiten zulassen.

Am Flughafen verpacken wir unsere Räder mit ein paar Kartonfetzen und stellen uns an den diversen Warteschlangen an: Check-In, Emigration, Flughafensteuer, nochmal Emigration, Sicherheitskontrolle, Busfahrt zum Flieger selbst. 2 Stunden vor Abflug in Kuba am Flughafen zu sein, ist mutig. Kann auch schon mal schief gehen bei der ganzen Warterei (wir nennen das seit diesem Urlaub „sozialistische Hast“).

Jetzt sitzen wir in einer kapitalistischen Boeing 767 mit 261 anderen Kapitalisten an Bord und trinken garantiert keinen Tomatensaft. Hah! Die Tinte in diesem Tagebuch ist noch nicht trocken, da bestellt sich ausgerechnet mein Sohn einen T-Saft mit Salz und Pfeffer. „Scheiß-Touri!“ necke ich ihn. „Wieso, deutsches Flugzeug – deutsche Kultur!“ bekomme ich zurück.

Epilog

Kaffee- und Brötchen-Geruch wecken uns – wir konnten ordentlich schlafen. Zeit für ein Fazit, 10.000 m über Paris, 10.000 m über einer mitteleuropäischen Wolkensuppe, die Regen und einstellige Temperaturen für uns parat hält. Ich frage Lennart nach seinen drei besonders intensiven Eindrücken

Erstens: Dass er seine eigenen Grenzen weiter stecken kann, dass es manchmal auch immer noch weitergehen muss und kann, auch wenn es einem ziemlich dreckig geht. Und dass das auch funktioniert. Gleichgültigkeit gegenüber der Situation ist dann ein geeignetes Mittel. Das hat er über sich selbst gelernt. Und damit gelernt, dass das Leben der eigentliche Lehrer ist und nicht die Schule.

Zweitens: Wenn man offen und interessiert auf Menschen zugeht, erhält man Offenheit und Interesse zurück. Grundlegende Basis-Sprachkenntnisse sind dann ein wichtiger Türöffner. So wie wir uns gegeben haben, und das auch noch absolut authentisch, kamen wir als Gäste und gingen meist als Freunde. Dazwischen waren wir Familienmitglieder.

Drittens: Lennart erlebte das erste mal Politik. Sozialismus heißt hier Gleichheit. Die Menschen sind zwar insgesamt ärmer, aber sie gehen anders miteinander um als bei uns in Deutschland. Sie diskutieren, lamentieren, schimpfen über Preise und miese Qualität von Schuhen. Aber sie sind zumeist fröhlich und wollen mit niemandem tauschen. Hier begegnen sich die Menschen auf Augenhöhe. Sie arbeiten für sich, helfen sich gegenseitig, vor allem innerhalb der Familien und unter Freunden. Unverständnis herrscht bei uns beiden, wenn wir erfahren, dass eine Ärztin nicht mal 20 und ein Lehrer nicht mal 15 Euro im Monat verdient. Ricardo muss als Vermieter rund 300 Euro im Monat an den Staat zahlen, um eine Casa-Particular-Lizenz zu erhalten. Egal, ob er Gäste hat oder nicht. Ein Taxi-Particular-Fahrer ebenfalls.

Häufig wissen die Menschen nicht, wie sie den Monat rum bringen. Das Geld ist für Essen und Wohnen mit der Familie verplant. Aber sie wissen, dass es irgendwie doch funktioniert. Für das Lebensnotwendige ist gesorgt. Bildung und Gesundheitssystem gibt es für alle kostenlos, und alles darüber hinaus Gehende wird irgendwie organisiert.

Ich selbst kann Lennarts Zusammenfassung nichts hinzufügen. Vielleicht noch die wunderbare Landschaft und das hervorragende Essen. Vor allem die Langusten bei Toni. Aber das Wichtigste für mich war die gemeinsame Zeit mit Lennart. Dass wir gemeinsam reisten, diskutierten, lernten, litten, improvisierten und genossen. Uns jetzt noch mal anders, inniger kennen. Und ich lernte, dass es mir gelungen ist, Leo zu zeigen, dass lernen immer stattfindet. Und dass das Fach „Leben“ das spannendste ist. Ich wünsche mir, dass ich mit meiner Tochter auch einst eine solche Reise unternehme. Und ihr wünsche ich das auch.

Diese Reisegeschichte hatte eine Einleitung, die sie emotional und gedanklich beeinflusste. In Kuba lernte ich, dass Geld einen noch geringeren Stellenwert hat, als ich ihm bisher schon nur zumaß. Das macht mich sicherer. Sicherer für die Zukunft, die jetzt kommen wird.

Ich dachte immer, ich sei sozial abhängig von meinen Arbeitgebern. Ich weiß jetzt, dass das nicht der Fall ist. Wenn ich von irgendetwas sozial abhänge, dann von meiner Familie und meinen Freunden. Von den Menschen, die mir wichtig sind.

Ich kann sagen: Wer das negiert, blendet sich selbst. Wer sich selbst und andere schindet, um nach vorne zu kommen, um Status und materiellen Wohlstand zu erreichen, wird während der letzten Atemzüge seines Lebens frustriert feststellen, dass irgendetwas nicht richtig lief.

Und wer das nicht feststellt, hat für sich eine eigene Moral und einen eigenen Charakter aufgebaut, die fragwürdige Differenzen zu unserer langfristig gewachsenen, erprobten und belastbaren gemeinsamen Moral aufweisen müssen.

8. April 2012 – Lazy Day

Heute ist Ruhetag. Ausschlafen, Bars besuchen, Mojitos trinken, Musik hören, essen, essen, essen.

Während Leo versucht, einen ihm gefallenden Ersatz für seine geklaute kurze Hose zu finden, setze ich mich auf irgendeine Bank auf irgendeinem Platz und beobachte einfach nur die Leute. Es ist Siesta-Zeit. Hier schlafen die Leute auch schon mal ein. Auf der Bank. Wenn sie es dann zulässt und nicht völlig kaputt ist. Ein junges Päärchen mit Kind und Oma setzt sich mir gegenüber. Die Typen sind echt cool. Grellblaue Nike-Turnschuhe mit Zehnzentimeter-Hacken. Sowas habe ich selbst in Deutschland noch nicht gesehen.

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Nachdem das Päärchen ihr Kind gefüttert hat und weitergeht, setzen sich zwei Kumpels auf die Bank. Auch cool. Was für die junge Mutter die Schuhe waren, ist für den einen Kumpel sein Bauch. Statussymbol. Das so zu zeigen habe ich in Deutschland ebenfalls noch nicht gesehen.

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Leo kommt und wir gehen wieder durch Havanna. Diesmal ohne die Sehenswürdigkeiten sehen zu müssen. Damit wird der Geist frei für das Hier und Jetzt. Das Herz ist offen für die Stimmungen der Stadt, der Stadtteile, der Straßen und Plätze. Wir bleiben immer mal wieder stehen und hören den Musikern zu, die hier allerorten spielen.

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Die meisten von denen sind echt gut. In einer Bar zu sitzen oder draußen im Garten, einen Mojito zu trinken und der Musik zu lauschen, macht die über achtzigjährigen kubanischen Musiker Ibrahim Ferrer, Joseíto Fernández und Compay Segundo aus dem Buena Vista Social Club wieder lebendig.

Ich glaube, dass Havanna, wenn irgendwann mal – wie auch immer – das Geld zurückkommt nach Kuba, in einigen Jahrzehnten eine der schönsten Städte der Welt sein wird. Natürlich dominieren momentan noch Dreck, Durcheinander, Gestank und Lärm das Leben hier. Aber man darf das nicht mit Chaos, Konfusion oder Gesetzlosigkeit gleichsetzen. Lennart und ich fühlen uns hier sehr sicher – auch wenn wir abends im Dunkeln durch die Straßen gehen.

Selbst hitzigste Diskussionen erleben wir zwar emotional, aber immer wertschätzend. Die Gestik der Kubaner ist so heftig, dass wir manchmal den Eindruck haben, sie würden sich gleich schlagen. Aber genauso schnell, wie die Emotionen hochkochen, flauen sie auch wieder ab.

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Heute abend kaufen wir uns in einem Estanco (eine Art Kiosk) eine kleine Flasche Rum, Cola (die kubanische natürlich) und Limettensaft. Wir stecken unseren Einkauf in den Rucksack und schlendern zum Malecon, Meeresrauschen und Stadtstimmung genießen.

Auf dem Weg durch die Gassen können wir ein paar Jungen beim Fußballspielen zuschauen. Lennart würde gern mitspielen, aber ihm tut das Knie noch weh. Die Beschuhung der Jungs ist spannend. Manche spielen mit normalen Straßenschuhen, manche mit Sportschuhen, manche mit Strümpfen. An einem oder beiden Füßen.

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Und Spaß haben sie alle. Wie wir früher in den Straßen unserer Kleinstadt auch. Heute sehe ich das in Deutschland nirgendwo mehr. Jedenfalls nicht auf den Straßen mit selbstgebauten Toren, selbstgestellten Regeln und selbstgemachten Bällen.

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Am Malecon setzen wir uns auf die Mauer und schauen in den Sonnenuntergang.

Gläser oder Becher haben wir nicht, wir öffnen die Cola-Dosen, trinken einen großen Schluck ab und füllen die Dose dann mit Limettensaft und Rum wieder auf. ¡Viva Cuba Libre! Wir stoßen an auf die Befreiung Kubas von der spanischen Kolonialherrschaft. Und von der amerikanischen. Und auf unsere Befreiung von allem was uns einengt. Zumindest jetzt.

Es dauert nicht lange, bis eine Kubanerin auf uns zukommt und uns anspricht. Ob sie sich neben uns setzen dürfe, fragt sie. ¡Claro que sí! Es ist ja auch wunderbar warm auf der langen Kaimauer, die den Sonnenschein des Tages eingefangen und eingespeichert hat. Aber Maria ist dennoch kalt. Wir bieten ihr einen ordentlichen Schluck unseres gerade gemixten Heizgetränks an – aber sie möchte keinen Alkohol. Dann kriegt sie eben eine eigene Büchse Cola pur. Wir nehmen sie auf in unseren abendlichen Malecon-Longdrink-Club und beginnen eine allgemeine Unterhaltung. Sie scheint Mitte dreißig zu sein und sieht ganz hübsch aus. Wohnt irgendwo draußen, Richtung Osten an der Küste, wartet auf ihren Bus.

Wir quatschen halt so drauf los über alles Mögliche. Das Übliche. „¡No es fácil!“ – aber ich möchte nicht tauschen.

Der Inhalt des Gesprächs verblüfft mich weniger als vielmehr die Lockerheit, mit der Maria auf uns zukommt und mit uns redet. Vielleicht spielt da auch ein wenig Mann-Frau-Kiste mit rein, aber allein die Tatsache, dass ich mit Leo hier sitze und Maria von ihrer Tochter erzählt, belohnt auch unsere Offenheit. Klar – einige Jungs haben uns schon gefragt, ob wir „Chicas“ wollten und einige Chicas selbst fragten uns auch bereits, ob wir nicht „Liebe“ kaufen wollten. Aber das ist hier und jetzt kein Thema.

Nach einer halben Stunde geht sie zu ihrem Bus.

Leo und ich überlegen, was so besonders ist an dieser Stimmung hier. Der Offenheit, Lockerheit, Unaufgeregtheit. Und was uns davon abhält, das mitzunehmen – nach Hause. Wir nehmen es ja mit. Inspiration, Erinnerung, Gefühl. Es ist nicht wichtig, was ich erlebe, sondern wie ich es erlebe. Und das hängt ab von meiner inneren Haltung und Einstellung zu mir selbst und zum Leben. Und nicht von äußeren Einflüssen. Wenn ich in mir locker bin, werde ich Lockerheit sehen und erleben und das Leben bietet mir Flexibilität. Wenn ich fest bin in meiner Haltung und meinen Urteilen, wird sie mir das Leben nicht widerlegen.

Mein Leben bin ich selbst.

7. April 2012 – Teamwork und Provokationen am Malecon

Na ja, das Frühstück bei Ricardo war schon besser. Wenn das Obst aus dem Kühlschrank kommt, braune Flecken hat und säuerlich schmeckt, lass ich’s liegen. Nochmal Magenprobleme? Da haben wir beide keine Lust drauf.

Heute wollen wir mal wieder radeln. Eine größere Tour im Osten Havannas: Erst durch die Berge nach Jaruco, dann an der einzigen elektrifizierten Eisenbahnstrecke entlang bis Santa Cruz del Norte und von dort an der Küste zurück.

Die ersten 30 Kilometer sind laut und stinkig. Havanna eben.

Dann wird es allerdings ruhig und schön. Ohne Gepäck rollt es sich die ersten drei Stunden sogar gegen den Wind sportlich locker mit einem guten 20er Schnitt. Dann gönnen wir uns eine Pause mit Pan/Tortilla und Refrescos. Richtung Norden können wir noch etwas zulegen: „Nur“ noch Seitenwind.

Die elektrische Eisenbahn fährt hier zwar noch, aber wir bekommen sie nicht zu sehen. Dafür fahren wir an den Gleisen entlang. Deren Zustand nach zu urteilen ist die Fahrt mit dieser Eisenbahn eher holprig.

In Santa Cruz halten wir am Hafen. Die Reminiszenz der Kubaner lebt in Graffiti und Skulpturen. Ihre Helden vergessen sie nicht. José Julián Martí y Pérez war so einer. José Martí in Kurzform: Dichter und Symbol für die Unabhängigkeit des Landes von Spanien. Er begegnet uns hier in Kuba permanent. In Santa Cruz als Hausschmuck mit einem Zitat: „Cuando hay muchos hombres sin decoro, hay siempre otros que tienen en sí el decoro de muchos hombres.“ Was so viel heißt wie „Auch wenn es viele Menschen ohne Anstand gibt, gibt es immer andere, die den Anstand vieler Menschen in sich haben.“ Also gleicht sich das statistisch wohl aus. Oder so… Ich merke, dass mein Spanisch noch Potenzial nach oben hat.

Wir fahren weiter, am Strand entlang. Baden und Fischen sind hier verboten. Kein Wunder. Hier stehen petrochemische Anlagen und eine Raffinerie direkt am Meer. Da es stark nach Petrochemie riecht und die Schornsteine dunkle Wolken in die Luft pusten, gehen wir davon aus, dass Flüssigabfälle aus diesen Anlagen direkt ins Meer verklappt werden. So ist er dann eben weg, unser Müll. Aber wir kriegen ihn wieder.

Denn ein paar hundert Meter weiter wühlen Ziegen am Strand im Müll und fressen vergammelte Bananenschalen und sonstige Obstreste. Spätestens mit der Ziegenmilch oder dem Ziegenbraten holen wir uns den Schwermetall-Cocktail zurück. Und zwar direkt in uns rein. Der Mensch als finale Müllhalde. Wunderbare Aussichten.

Die Autobahn Richtung Westen ist sehr gut ausgebaut und jetzt geht’s mit Rückenwind und durchweg 30 Sachen nach Havanna zurück. Noch gute 50 Kilometer – schönes Konditionstraining für den Ironman Nizza im Juni.

Leo fährt bei mir im Windschatten – schließlich werden beim Radtraining nur die Kilometer im Wind gezählt. Sein Knie fängt allerdings auch wieder an zu schmerzen und so passt das ganz gut.

Den Leuchtturm Havannas erreichen wir nach rund 130 Kilometern. Jetzt noch durch den Tunnel der Hafeneinfahrt und dann sind wir zuhause. Doch ein Schild sagt: Verbot für Fahrräder und Fußgänger. Aber wir sind ja in Kuba, fahren einfach weiter. Ein Polizist mit Hund kommt uns kurz vor der Tunneleinfahrt entgegen und weist uns nochmals freundlich, aber bestimmt auf die Regel hin. Mist. Sie zu befolgen bedeutet rund 20 Kilometer Umweg – einmal komplett um die Hafenmole herum. Und Leo hat mittlerweile so starke Schmerzen, dass er kaum noch treten kann. Nochmal Mist. Egal – Taxis gibt es hier nicht, wir haben noch rund eine Stunde bis zum mit Ricardo verabredeten Abendessen und ich kann noch etwas Kraftausdauer-Training gebrauchen. Also schiebe ich meinen Sohn zunächst einen Berg hinauf, später hält er sich dann abwechselnd an meinen Schultern und Armen fest und lässt sich von mir ziehen. Gegen den Wind ist das schon eine ordentliche Widerstandsfahrt. Ich mach’s für einen Cuba Libre am Abend auf der Malecon-Mauer.

Kurz nach sieben sind wir fast pünktlich zum Essen wieder da. 152 Kilometer in knapp über sieben Stunden – wir sind zufrieden. Leos Knie ist nicht angeschwollen, warm ist’s auch nicht – äußerlich also nichts zu sehen. Vielleicht irgendwelche Wachstums-Schmerzen – keine Ahnung. Wenn wir zurück in Deutschland sind, geht’s zum Orthopäden.

Auf der Kaimauer des Malecon trinken wir Cuba Libre mit einem Mischungsverhältnis von 50/50. Danach lässt sich’s gut sinnieren. Ich schlage Leo vor, ein Fach „Selbst“ in der Schule einzuführen. Selbstvertrauen, Selbstwert, Selbstbestätigung, Selbstbewusstsein, selbst Entscheidungen treffen. Die jungen Leute mögen ja alle gute Schüler sein, aber was im Leben wirklich wichtig ist, was Halt gibt in einer hektischen und unkalkulierbaren Welt, steht nicht auf dem Stundenplan. Ich schlage Leo vor, ein Jahr Auszeit von der Schule zu nehmen, mit dem Rad um die Welt zu fahren und was wirklich wichtiges zu lernen. Ich komme auch mit.

Nee, Abi geht vor. Ich kenne meinen Sohn, provoziere hin und wieder. Was, wenn er zustimmen würde? Ich wäre dabei. Wenn mein Vater mir, als ich 17 war, ein solches Angebot gemacht hätte, hätte ich keine zwei Stunden gebraucht, um meine Sachen zu packen. Aber so lernen die Mädels und Jungs von heute halt eine Menge Theorie. Nehmen wir die Philosophie: Kann ein junger Mensch, der noch nie erfahren hat, was Unglück wirklich bedeutet, lernen, was Glück ist? Lennart muss das. Auch weiß er zwar, was Kant zur Aufklärung formuliert hat, aber wirklich räsonieren tut er noch nicht. Ich frage ihn, warum er soviel Zeit und Energie in das Aufbauen von Schulwissen steckt. Um später mal einen guten Job zu bekommen, sagt er. Ob es ihm denn Spaß mache, aus Wissen und Denken neues Wissen zu schaffen, frage ich ihn. Hmm, keine Ahnung, sagt er. Ich frage mich ob die Kinder aus der Mittel- und Oberschicht verzärtelt und satt sind. Frage ihn. Kann schon sein, sagt er. Wie wollt Ihr denn Eure eigenen Grenzen kennen lernen, wenn die einzige die zur Dekadenz ist, an der Ihr lebt, frage ich ihn. Rhetorische Frage, na klar. Die Eures Körpers, Eures Geistes, Eurer Emotionen – und damit Euch selbst, frage ich weiter. Hmm… Das Leben in der Komfortzone, behütet vom saturierten Elternhaus, zum Funktionieren curiculiert vom rationalisierten Bildungssystem mit dem Ziel, so schnell wie möglich in die Sozialsysteme einzuzahlen – das verbinde ich mit den Abiturienten von heute. Provoziere ich ihn. So langsam muss doch mal was kommen. Nie war Kant wichtiger als heute, sage ich. Beispiel Umweltschutz: Ich frage mich immer wieder, wann meine beiden Jungs mich endlich mal in den Arsch treten – als Vertreter der Generation, die ihnen ihre Lebensgrundlage wegkonsumiert hat. Und es wider besseren Wissens weiterhin tut. Nix. Da kommt gar nix. Die Kids werden mit elektronischen Geräten und Auto-Flatrates ihrer Eltern ruhiggestellt und an den Konsum gewöhnt. Keine Not, die Komfortzone zu verlassen.

Ich erzähle von meiner Jugend in der nordhessischen Kleinstadt, direkt bedroht vom kalten Krieg in den siebziger Jahren. Nato-Doppelbeschluss, Pershing-Raketen der Amis bei uns gegen SS20-Raketen der Russen in der DDR. Dünnsäureverklappung durch Bayer in der Nordsee. Hungerkatastrophen in Afrika. Wir waren permanent im Diskurs mit dem System. Das System waren die Lehrer, die Eltern, die Politiker, die Bonzen in den Firmen. Wir machten uns Gedanken, entwarfen Gegenkonzepte, komplexe Gedankenkonstrukte.

Und heute? Komm, Lennart, Du spielst jetzt mal Deine Kumpels aus der Schule. Vielleicht musst Du auch gar nicht spielen: Hungerkatastrophe? Wir spenden doch. Und Krieg gibt’s in… – wo war das nochmal? Ökologischer Fußabdruck? Natürlich in Nike-Schuhen. Wachstumswahn mit Bankenkrise? Schulterzucken. Artensterben? KIZ haben mal drüber gesungen – hab ich aber nicht verstanden.

Dass meine Eltern mich nicht verstanden haben und nicht mit mir diskutierten, habe ich irgendwann akzeptiert. Bei meinen Kindern fällt mir das schwer.

Es ist schön, hier zu sitzen, bei Mitte zwanzig Grad, das Meer hinter uns, das Leben von Havanna vor uns, den Cuba Libre neben uns. Wir hören auf zu quatschen und grinsen.

6. April 2012 – La Habana Vieja y El Mojito Rico

Typisch Kuba: Eigentlich wollten wir heute eine Radtour machen aber wir gaben unsere Wäsche gestern Abend zum Waschen ab und wenn ich es richtig verstanden habe, ist die Tochter der Frau, die die Wäsche waschen sollte, krank geworden und da muss die Mutter eben auf die Enkelin aufpassen. Oder so ähnlich. Ist ja auch egal, wir überlegen uns halt Alternativen: ¡No es fácil!

Familie ist hier sowieso ein wichtiges Thema. Ohne Familie funktioniert hier „alt werden“ nicht. Das haben wir jetzt schon häufiger gehört. Es hilft jeder jedem.

Dass wir nicht radeln können, nehmen wir locker und schieben noch einen Kulturtag ein. La Habana Vieja ist dran, nach dem Valle de Viñales das zweite UNESCO-Weltkulturerbe unserer Kuba-Reise.

In den engen Straßen und Gassen dominieren die Touristen. Restaurants, Museen, Bars – alles ist auf CUC-Zahler ausgerichtet. Selten ist mal eine Bar für Einheimische zu sehen. Wir finden dennoch eine und trinken einen Kaffee für einen Peso. Das Warten in der Schlange lohnt sich. Allerdings gibt es nichts mehr zu essen. Aus. Alle. Alles aufgegessen. Mittags um eins. Wenn wir noch was essen wollen, müssen wir in eine der Nachbar-Bars gehen und in CUC zahlen. Das sparen wir uns auf.

„Yes we can“ – Obama hat sich das hier abgeschaut

Als Touristen in einer Touristengegend werden wir natürlich auch permanent genervt: „Where’re you from?“, „Hey, friend!“, es ist fast wie in Marokko, vielleicht nicht ganz so aufdringlich. Leo antwortet immer noch ganz höflich, ich verfalle in meine mir in Afrika antrainierte Ignoranz, erkläre ihm, dass im Gegensatz zu den ländlichen Gegenden die Leute, die uns ansprechen, hier nicht an unserem Sein sondern an unserem Besitz, unserem Geld interessiert seien. Der eine oder andere junge Kerl probiert höchstens mal sein Englisch an uns aus.

Na ja, ohne Touristen wäre Habana Vieja allerdings auch nicht wieder aufgebaut worden. Ich bin der festen Überzeugung, dass diese Stadt, Havanna – wenn das Kapital irgendwann mal kommt – zu einer der schönsten der Welt mutieren wird. Die Plaza Vieja zeigt, wie das funktioniert und bietet einen anregenden und viel versprechenden Vorgeschmack auf die Zukunft, auch wenn sie noch in Dekaden gedacht werden muss.

Die Kathedrale in La Habana Vieja

Am späten Nachmittag trinken wir im Rum-Museum „Havana Club“ direkt an der Hafenmole noch einen leckeren Mojito. Einen wirklich leckeren! Und staunen darüber, wie viel Geld man für Rum ausgeben kann. Die Flaschen präsentieren sich in andächtigem Ambiente und verlangen, mit Ehrfurcht behandelt und irgendwann mal geöffnet zu werden. Das ist wohl das gleiche wie mit einem guten Wein, Whisky oder einer guten Zigarre. Mir selbst ist diese Genießer-Mentalität irgendwie fremd. Ich weiß nicht, ob mir ein Gläschen alter Rum leckerer schmecken würde als die Kola an der Autobahn bei Los Pinos, als es uns so schlecht ging. Das hat wohl was mit Verlangen und Bedarf zu tun. Ich hatte nie ein Verlangen nach einem Rum, aber nach kalten Getränken schon öfter. Ich finde: Verlangen muss man sich erlangen. Da stellt sich mir die Frage, ob ich überhaupt etwas genießen kann, wenn ich kein erlangtes Verlangen habe. Spannende Frage, die bei Genussmitteln noch einfach zu beantworten scheint. Aber was ist mit dem Leben? Kann ich mein Leben genießen, wenn ich kein Verlangen nach meinem Leben habe? Was ist das, „Verlangen nach Leben“? Kann ich dieses Verlangen auch erlangen oder ist es einfach da?

Das sind die Fragen, die uns auf dem Rückweg zu unserer Casa beschäftigen. Extrem assoziativ sind wir heute mal wieder.

Und dann springt uns dieser „Pussy Wagon“ ins Auge – mit welcher Hingabe sich hier Taxifahrer ihren alten Autos widmen, ist schon extrem. Das Ding muss ich fotografieren:

Gegenüber versucht ein Fischer in der Hafenmole sein Glück. Ihm zuzuschauen ist kontemplativ. Kuba. Der Rum ist Kuba, das Auto ist Kuba, der Fischer ist Kuba. Vieles ist Kuba. Es ist eines der authentischsten Länder die ich bisher bereist habe.

Wir gehen zum Malecón und setzen uns auf die von der Tagessonne vorgewärmte Kaimauer. Bei 25 Grad lässt sich ein lauer Frühlingsabend in der Karibik wunderbar genießen. Hier gibt es nur hin und wieder ein paar vorbei schlendernde Touristen, der Malecón ist abends von den Menschen der Stadt „besetzt“. Familien, Freundesgruppen, Liebespaare – alles trifft sich nach Anbruch der Dunkelheit am Malecón. Und irgendwer hat einen Ghettoblaster dabei und lässt kubanische Rhythmen abspielen. Und irgendwer anderes tanzt dann dazu.

Mir fallen zwei junge Mädchen auf, vielleicht drei und sechs Jahre alt. So wie bei uns die Kinder ihren Eltern stolz ihre Schulnoten oder Sportergebnisse zeigen, zeigen diese beiden Mädels ihren Eltern und Freunden ihre Tanz-Fertigkeiten. Und was soll ich sagen? Es sieht zwar noch ein wenig kindlich unbeholfen aus, aber die Ansätze lassen auf ein echtes Können in ein paar Jahren schließen. Tanzen ist hier Teil der allgemeinen Kultur. Das von mir in der Tanzschule meiner hessischen Heimatprovinz „erlernte“ Tanzen hat mit dem Tanzen der jungen Leute hier so viel zu tun wie ein Taiwan-Motorroller aus dem Baumarkt mit einer Ducati 1199 Panigale Superquadro.

Bei allem Genuss muss ich immer mal wieder auch an meine berufliche Situation denken. Allerdings tue ich dies nicht mehr mit Sorge oder Schrecken sondern bereits mit dem Sortieren neuer Möglichkeiten. Eine Abfindung in Deutschland würde ein gutes Auskommen hier in Kuba bedeuten. Bis zum Lebensende wahrscheinlich. Und wenn ich das hier so alles wahrnehme und tief in mich hinein fühle, frage ich mich: Warum nicht?

Gegen elf gehen wir zurück. Ricardo sagt, dass die Wäsche fertig sei. So können wir morgen also radeln.

Schön.

 

4. April 2012 – Richtungswechsel und ein paar Fragen

„¡Hola Señor! Son seis y quince.“ Viertel nach sechs… Oh no! Lennart sagt, sie hätten uns bis sieben gegeben und schläft nochmal ein. Es ist stockdunkel draußen. Ich bleibe auch noch etwas liegen, weiß aber, dass wir in spätestens zehn Minuten wieder angesprochen werden.

Langsam dämmert es. Eigentlich müsste ich jetzt mit der Kamera raus. Rotes Sonnenaufgangslicht auf roter kubanischer Erde. Aber ich kann (und will) mich nicht an einen erfolgversprechenden Standort erinnern, für den es sich lohnen würde, genau jetzt aus dem Schlafsack raus zu krabbeln.

Gegen halb sieben stehe ich auf, wasche mich und wecke Leo. Ruén, der erste Landarbeiter, leistet mir beim Packen Gesellschaft. Passiert ja nicht so häufig, dass Extranjeros, Fremde mit einer fremden Sprache, zu Besuch sind. Der Dialekt der Campesinos ist für uns nur sehr schwer zu verstehen. Und die Leute können offensichtlich auch kein hochspanisch – wahrscheinlich ähnlich wie bei uns im sächsischen Steinigtwolmsdorf, bayerischen Obermeiselstein oder friesischen Westeraccumersiel, wo die Leute sogar noch kokettieren: Wir können alles – außer hochdeutsch.

Aber wir verstehen uns dennoch – irgendwie.

Die Sonne ist schnell unterwegs – um sieben ist es hell und wir sind abfahrbereit. So früh waren wir bisher noch nie dran.

Beim Abschied sprechen wir nochmal miteinander. Die Herzlichkeit der Menschen hier ist beeindruckend. Der Chef zeigt nochmal seinen Stolz auf die Erde hier, die nun untrennbar mit unserem Zeltboden verbunden ist: So rot sie ist, so fruchtbar ist sie auch. Jetzt sehen wir auch, was hier alles wächst: Möhren, Bohnen, Bananen, Zuckerrohr – alles direkt nebeneinander. Allerdings nehmen die Campesinos es mit dem Schutz ihrer Erde auch nicht so genau: Ein alter, auseinandergenommener Trecker steht hier rum, entlässt sein Altöl in genau diese rote Erde und verseucht sie und das Grundwasser auf viele Jahre hinaus. Das Grundwasser, das gerade aus der Erde gepumpt wird und zur Bewässerung der Pflanzen dient, die wir essen werden.

Um halb acht sitzen wir auf unseren Rädern, machen ganz „suave“ – sanft und geschmeidig. Unsere Verdauungs-Systeme melden akzeptable Leistungsbereitschaft und in Güira de Melena frühstücken wir erstmal in einer Bar.

Die Verkäuferin vermittelt einen ziemlich desinteressierten Eindruck. Wir sitzen an der Theke und warten darauf, dass sie uns bedient. Hier herrscht ziemlich viel Trubel – der beginnende Tag lockt viele Männer zum ersten Café mit Zigarillo in die Bars. Sie kommen rein, beugen sich über den Tresen, halten Geldscheine hin und rufen immer wieder „¡Mira!“ oder „¡Oiga!“. Das wirkt bei der Bedienung mit einer ziemlich dicken Brille offensichtlich besser als geduldiges Warten. Also rufe ich auch: „¡Señora!“ und bestelle zwei Brote mit Tortilla und zwei Joghurts ohne Zucker. Sie nickt kurz, nimmt zwei Gläser, kippt zwei Esslöffel Zucker und dann frischen Joghurt rein. Ich rufe nochmal: „¡Sin Azucar!“. Sie lächelt, zeigt auf zwei andere Männer, für die die Joghurts gedacht sind. Ich frage mich, ob ich gelassen genug bin für das Leben hier, weiß aber jetzt, dass meine Bestellung angekommen ist.

Der Joghurt ist frisch und lecker, das Brot auch. Männer kommen und kaufen Zigaretten – einzeln: Mal zwei, mal drei. Einer lässt eine Tasche und ein Bündel Geldscheine da, geht wieder. Die Señora packt in einer ruhigen Minute die Tasche voll mit Zigaretten und Zigarren.

Ich selbst rechne kurz durch, was wir bezahlen müssen. Das Bildungssystem hier ist zwar anerkanntermaßen sehr gut, aber 2 mal 2,50 plus 2 mal 2,00 wird auch gerne schon mal umständlich und lange mit dem Taschenrechner ausgerechnet. Die neun Pesos, die unser Frühstück kostet, sind umgerechnet ungefähr 35 Cent.

Am nächsten Quiosco mit Thermosflasche auf dem Verkaufstresen trinken wir einen Café. Der kubanische Café ist vielfältig, geschmacksintensiv und bisher immer sehr lecker. Natürlich: Wir fahren durch ein Land des Kaffees. Und da sollte es nicht so verwunderlich sein, dass jeder Kaffee anders schmecken kann.

Langsam wollen wir weiter. Gegen den Wind, Richtung Osten.

Nach einer Stunde Fahrt meldet sich Lennart: Sein Magen spielt doch noch ein wenig verrückt und zusätzlich meldet sich sein Knie, das schmerzt. In einem lichten Wald suchen wir Schatten, holen unsere Isomatten raus und etwas Schlaf nach. Ich bin ein wenig besorgt um meinen Sohn. Nach ungefähr zwei Stunden Schlaf gebe ich ihm noch drei Kohletabletten und erkläre ihm das Prinzip dieser Medizin: Keimbindung an Kohle. Vielleicht prägt er sich das ja ein und stellt darüber sein Verhalten auf Eigen-Fürsorge um. Hmm, da ist wohl der Wunsch der Vater des Gedanken.

Ich gebe ihm noch eine Stunde und befestige derweil mein gutes Brooks-Leder-Lenkerband neu, das in den Kurven des Rennlenkers doch arg verrutscht ist. Bei herkömmlichem Korkband ist mir das in meiner bisherigen Rennrad-Karriere noch nie passiert. Ich beschließe, mich hier jetzt erstmal nicht zu ärgern und das ganze Werk zuhause nochmal unter Verwendung von Haarspray neu zu wickeln.

Kurz vor ein Uhr Mittag fahren wir weiter. Vorsichtig, locker, ohne Druck. Eigentlich wollten wir noch ein wenig Richtung Osten und dann hoch nach Matanzas fahren, über die schöne Küstenstraße an der Bahia de Matanzas dann wieder zurück nach Havanna. Doch momentan sieht es so aus, als bräuchten wir noch ein wenig Pause. Wir prüfen die Routen-Alternativen, entscheiden uns für die einzig sinnvolle: Abbiegen, Richtung Norden, direkt nach Havanna, dort ein bis zwei Tage Pause machen und noch ein paar Rundtouren um Havanna fahren.

Gesagt getan: Auf dem Weg zur Autopista La Habana – Melena, dem direkten Weg nach Havanna, wird die Straße schnell schlecht. Lennart auch wieder. Und sein Knie will auch nicht mehr. Ich schlage vor, einen Trecker oder einen Laster zu entern oder ein Taxi zu rufen. Aber das will Leo nicht. Auch an einer der sich in den Verkehr einreihenden Kühe mag er sich nicht festhalten und mitziehen lassen.

Zum Glück wird die Straße jetzt wieder besser und wir erreichen bald die Autopista. Zudem dreht der Wind noch in Richtung Nord und so lassen wir uns mit knappen dreißig Sachen auf der autofreien Autobahn locker und „suave“ in Richtung Meer treiben.

Radfahren in Havanna ist ein fragwürdiges Abenteuer. Im Verkehr mitschwimmen ist schon machbar und die Autofahrer sind einigermaßen rücksichtsvoll. Und geistig flexibel. Aber sie hupen auch ständig, sind stolz auf ihre Hörner, die in Deutschland nur an den großen Feuerwehrautos im Einsatz zu hören sind. Das tut richtig weh! Dazu kommt, dass die alten Autos auch einfach nur beim Fahren extrem laut sind und die Benzinabgase ungefiltert und nur halbverbrannt aus den Auspufftöpfen – wenn überhaupt welche dran sind – kommen.

Und das in Häuserschluchten, die eng und tief sind. Ich traue mich nicht, tief einzuatmen, halte die Luft möglichst weit oben. Havanna ist, obwohl am Meer gebaut, eine hügelige Stadt. Also brauchen wir viel Luft, langsam beißt es in den Lungen. Dazu kommt noch der Gestank nicht abgeholten Mülls und die Hitze.

Je weiter wir in Richtung Meer fahren, desto frischer weht der Wind durch die Straßenschluchten. Das tut gut. Nach knapp hundert Kilometern endet unser Radtag gegen sechs Uhr abends bei Ricardo, unserem Gastgeber in Habana Centro.

Damit endet auch unsere Kuba-Rundreise – jetzt bleiben wir bis Montag hier und unternehmen höchstens noch Tagestouren. Morgen liegt jedenfalls erstmal ein Ruhetag an und heute abend hat Ricardo Langusten auf der Speisekarte.

Wir werden nun also den kulturellen Anteil der Reise auf die letzten Tage noch etwas erhöhen. Obwohl… Was ist Kultur, wenn nicht das, was wir in den letzten eineinhalb Wochen erleben konnten? Gute Frage, aber nicht mehr für heute abend…

Ich bin stolz auf Lennart. Dass er trotz seiner Beschwerden durchgehalten hat. Und er selbst gelernt hat, was er auszuhalten und zu leisten in der Lage ist. Dass er völlig fremden und unbekannten Menschen gegenüber offen und freundlich ist. Ohne Vorurteile, ohne Launen, auch unschönen Erlebnissen noch das Gute abgewinnend. Und dass das eben auch „lernen“ bedeutet.

Wir sprachen unterwegs viel über das Lernen. Fragten uns, ob es überhaupt möglich ist, NICHT lernen zu können.

Für viele Menschen – vor allem Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene – sind Schulen und Hochschulen die Orte des Lernens. Sie schließen für sich, dass sie nur dort lernen und schließen aus, dass sie auch an anderen Orten lernen. Somit ist das Lernen häufig negativ konnotiert: Man lernt für den Lehrer, für die Professorin, für gute Noten, für ein Abschlusszeugnis und dann gilt es, das Gelernte schnell wieder zu vergessen. Basis für Lernen ist bei uns in Europa nicht die eigene Neugier (für mich die beste Lehrerin), sondern geistige Ausgeburten irgendwelcher Kultusminister: Junge Menschen sollen so schnell wie möglich in die Sozialsysteme gedrückt und im Sinne der Wirtschaft (Wachstumsmantra!) ausbeutungsfähig werden – letzteres sowohl passiv als auch aktiv. Der Mensch wird durch Lernen zum Objekt, gibt seine Selbstbestimmung auf und somit ein Stück freien Menschseins. Was nützt das Lernen, ohne zu denken? Was nützt das Wissen, ohne zu leben? Wir sagen, wir seien durch unseren hohen Lern- und Wissensstandard aufgeklärt. Dabei entfernen wir uns vom Kantschen „sapere aude!“ immer weiter weg. Haben nicht nur keinen Mut, sondern ja auch gar keine Zeit mehr zum Denken, zum Leben.

Leo und ich fragen uns, ob es zum Lernen dazu gehört, zu erfahren, wie ein Mojito schmeckt. Oder wie Kubanerinnen tanzen können. Oder wie es sich anfühlt, halbtot der Sonne entfliehen zu müssen. Oder dass es völlig arrogant ist, Kuba als „Entwicklungsland“ zu bezeichnen. Oder wie frei es sich anfühlt, in 27 Grad warmem Meerwasser zu schweben.

Wir beschließen, dass wir immer und überall lernen. Und dass das Leben die beste Schule ist. Und man selbst für sich der beste Lehrer. Dass ein vorgegebener Stundenplan oder ein staatlich festgelegtes Curriculum zwar zweckmäßig sein können, aber nicht müssen und höchstens als Richtschnur dienen sollten. Denn was bedeutet Lernen, was Wissen schon, wenn daraus keine Lebenskompetenz erwächst? Hier, in den letzten eineinhalb Wochen, haben wir beide ein Stück mehr an Lebenskompetenz erlangt. Und das kann keine Schule lehren, das hat keine Universität im Angebot.

3. April 2012 – Rote Erde

Leo schläft wie ein Stein, mich killen die Mücken in diesem Zimmer. Sprühe mir den Kopf mit Antimückenspray ein und decke mich bis zum Hals zu. Dann bin auch ich bis halbneun am nächsten Morgen Richtung Nirvana unterwegs.

Unser Frühstück ist gut. Wir tasten uns vorsichtig mit trockenem Brot voran. Das zweite Stück mit etwas Marmelade. Dazu ganz besonders vorsichtig frischen Ananassaft. Hilft ja nix: Wir brauchen Zucker und Mineralien.

Die beiden alten Leutchen hätten uns gerne noch etwas länger hier behalten, uns kommt das Casa allerdings auf den zweiten Blick etwas „spanisch“ vor: Zimmer erst ab 20 Uhr frei, harte Spirituosen im Kühlschrank, Bilder mit spärlich bekleideten jungen und – zugegebenermaßen – recht hübschen Frauen an der Wand und Kondome zum Mitnehmen im Badezimmer.

Na ja, wo sollen sie denn auch hin, die jungen Kubanerinnen und Kubaner – das Leben ist ziemlich eng und öffentlich hier. Da wird eben gerne mal ein Rückzugszimmer für ein bis drei Stunden – je nach Kreativität der Aktiven – gemietet.

Unser Etappenziel für heute ist der Salto de Soroa – ein berühmter Wasserfall hier in der Gegend. Den erreichen wir gegen Mittag.

Ein Orchideengarten ist ausgewiesen – ziemlich viele seltene Blumen sollen dort zu sehen sein. Aber in unserem Zustand bleibt unser Interesse an der Paradiesvogelorchidee oder der Flor de San Pedro eher ungeweckt. Ein kleiner Spaziergang tut jedoch ganz gut. Wir parken unsere Fahrräder auf dem offiziellen Parkplatz der Villa Soroa und gehen zum Mirador, der auf etwas über 300 Meter liegt. Die Aussicht Richtung Süden in die fruchtbare Ebene Kubas ist spannend – wir werden nun die Berge hinter uns lassen und flach in Richtung Osten fahren. Durch Felder und Plantagen.

Auf dem Rückweg schauen wir noch beim Wasserfall vorbei, entdecken ein paar deutsche Touris mit Bierbüchsen, dicken Bäuchen und Gegröle und gehen schnell und unerkannt wieder zum Parkplatz. Wir finden dort was wir am nötigsten brauchen: Bänke im Schatten. Rund eine Stunde Siesta wirkt Wunder. Diesen Brauch sollten wir mit nach Deutschland nehmen.

Nun wieder einigermaßen wach und gut in Form fahren wir die rund 35 Kilometer nach Artemisa in rund eineinhalb Stunden. Die Carretera Central ist ein 1.250 Kilometer langes kulturelles Zentrum. Wir überholen Fußgänger, Radfahrer, Ochsenkarren, Treckergespanne – uns überholen Autos, Mopeds, Laster. Wir grüßen, werden gegrüßt, alles ziemlich locker hier.

In Artemisa genießen wir erstmal wieder ein Refresco – klar: An der Carretera. Wir fragen schon nicht mehr, was drin ist, in den Gläsern – hauptsache kalt, gezuckert, flüssig. Erfrischend eben. Obwohl Artemisa eine für Kuba recht große Stadt und die hiesige Provinzhauptstadt ist, finden wir kein Casa Particular. Die Touristen verirren sich offensichtlich nicht hierher. Was auch kein Wunder ist, da wir schon seit der Abfahrt aus Soroa im Wesentlichen durch landwirtschaftlich genutzte Regionen fahren. Tabak, Reis, Zucker, Bananen, Kochbananen.

Wir wollen jetzt gerne unser Zelt aufbauen und fahren immer mal in irgendwelche kleine Sträßchen oder Feldwege, um einen geeigneten Zeltplatz zu finden. Aber: Jedesmal Fehlanzeige. Entweder ist der Platz für alle einsehbar oder geeignetes Gelände ist umzäunt oder es laufen noch Arbeiter zwischen den Pflanzen-Kolonnen rum.

Am Tor einer Farm sehe ich einen Arbeiter, den ich frage, ob wir denn auf dem Farm-Gelände zelten dürften. Der Arbeiter muss erst bei seinem „Jefe“ fragen. Kurz darauf kommt er zurück, öffnet uns das Tor und schickt uns zum Haus am Ende des Weges.

Wir werden neugierig, freundlich und herzlich begrüßt. „El Jefe“, seine Frau und ein Vorarbeiter sitzen um einen Tisch auf der Veranda herum und trinken ihren Feierabend-Rum. Claro qué sí, dass wir – bevor hier auch nur irgendwas passiert – erstmal einen Ron mittrinken müssen. Dazu werden zwei Plastikbecher geholt und halb vollgeschenkt.

Bewährungsprobe: Halten unsere Mägen das aus? Wir wägen ab zwischen Höflichkeit und unkalkulierbaren Folgen für unsere Magen-/Darm-Floren und entscheiden uns für die Ron-Variante.

Danach baue ich das Zelt auf – allerdings erst nach ungefähr einer viertel Stunde Diskussion, welches denn der am besten geeignete Platz auf dem großen Feld neben dem Wohnhaus wäre.

Leo und ich können unter einer freischwebenden Wasserleitung duschen. Derweil kocht die Frau des Hauses nochmal in der Küche – extra für uns bereitet sie Reis, Kartoffeln, schwarze Bohnen und Spiegeleier zu.

Wir sind fasziniert und verblüfft von dieser Gastfreundschaft.

Als ich anfange, aus meiner Jugend auf dem Bauernhof zu erzählen, leuchtet ein Feuer in den Augen des Chefs auf. Was wir denn damals angebaut hätten und ob wir auch so einen famosen Boden hätten wie er hier auf seinem Land. Nein, antworte ich – unser Boden sei zwar gut und mit der Fruchtfolge wuchsen Kartoffeln, Rüben und Getreide sehr gut, aber an die Güte dieser Böden hier kommt der deutsche Boden nicht ran.

Nachdem die Flasche mit dem guten Ron de Cuba geleert ist, legen wir uns ins Zelt. Morgen früh müssen wir um sieben raus, da dann die Arbeiter kommen, um die Felder zu bestellen. Die Felder mit der roten Erde, von der wir ein wenig sogar bis nach Hause mitnehmen werden.