28. November 2011 – Geburtstag

Mein 50ster Geburtstag beginnt mit einem Küchlein mit Kerze in „le gout du sahara“. Karla hat das Frühstück vorbereitet und ich freue mich über den Glückwunsch, die Situation und den ungewöhnlichsten Ort, an dem ich je Geburtstag hatte. Klein, fein, herzlich. Es passt alles.

Hamad hat Kopfschmerzen, er kriegt eine Aspirin von mir. Ich lade ihn ein, mitzufrühstücken. Er lehnt dankend ab, frühstückt ausschließlich Kaffee und Zigaretten. Um zehn gibt’s immer Datteln und Milch. Das sei gut für ihn, sagt er. Und hustet.

Der Abschied ist herzlich – ich werde wiederkommen. „in scha‘ Allah!“ „as-salamu ‚alaikum!“

Wir nehmen die Piste durch die Wüste, wollen nochmal ganz nah ran an die Dünen. Als wir anhalten, um uns zu orientieren, kommt ein Junge auf einem Fahrrad von irgendwoher auf uns zu. Ich lerne eine neue Masche kennen, Touristen um Geld zu erleichtern:

Er fragt mich, ob ich ihm einen Euro in zehn Dirham wechseln könne – schließlich könne ich doch mit dem Euro in Europa mehr anfangen als er hier in Marokko. Mir leuchtet das ein und ich nehme den Euro, gebe ihm zehn Dirham. Sofort greift er in eine seiner Taschen und zieht diverse Schlüsselanhänger, Fossilsteine und Lederbänder hervor. „un euro à la pièce!“ ruft er. Ich kapiere und lehne ab. Er insistiert und will, dass ich seiner Familie helfe, indem ich ihm ein Teil abkaufe. Ich lehne nochmal ab und fahre weiter. Um einen Euro reicher, zehn Dirham ärmer. Im Nachhinein hat das keinem von uns beiden geholfen.

Nach 15 Kilometern ist uns das Gerüttel durch die Bodenwellen dieser Piste doch etwas zu viel und wir fahren in Richtung Straße.

Zurück in Rissani setzen wir uns nochmal an den Platz von gestern, essen Omelett und Orangen, trinken Tee mit frischen Minzblättern und schauen dem Treiben zu.

Der Rest des Tages ist Genussradeln pur: Sonne pur, 20 Grad, windstill. Wir wollen’s kaum glauben. Dieses Land, das uns seine Ablehnung durch sein Wetter bisher deutlich zu spüren gegeben hat, zeigt sich heute von seiner schönsten Seite.

Allerdings merken wir auf einer Straße hinter Rissani Richtung Norden, dass die Kanalisation hier mit den Wassermassen der letzten Tage überfordert ist. Die Straße ist überflutet und die Autos versinken bis zu den Radachsen im Wasser. Ich kalkuliere und fahre durch die Riesenpfütze. Dabei halte ich die Kurbeln immer waagerecht, den linken Fuß vorne. Den trete ich immer nur ein kleines Stück nach unten – bis zur Wasseroberfläche und hole ihn dann wieder soweit zurück, bis der rechte Fuß hinten fast die Wasseroberfläche berührt. Karla traut dieser Methode nicht und schiebt ihr Rad durch den Lehm-Matsch am Straßenrand. Als wir uns hinter der Straßenflutung treffen, säubern wir ihr Rad zwischen Laufrädern und Schutzblechen mit kleinen Stöckchen, damit die Räder wieder frei rollen können.

Am Ziz, zwischen Arfoud und Meksi schlagen wir unser Zelt auf. Es ist jetzt, am Abend, empfindlich kalt geworden: Wir liegen mit kalten Füßen in klammen Schlafsäcken.

Wir haben ein komisches Gefühl der Vorsicht, da uns ein paar Kinder und Jugendliche beim Zeltbau beobachtet haben. Außerdem haben wir uns offensichtlich eine Stelle ausgesucht, an der hin und wieder Arbeiter auf dem Weg von den Dattelplantagen nach Hause vorbeikommen. Aber hier scheint sich niemand darum zu kümmern, wenn ein Zelt aufgeschlagen wird. Warum auch? Schließlich gehört das Nomadentum mit zur Kultur der Berber.

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